Die Schweizerische Gesellschaft für Religionswissenschaft (SGR) äussert ihre tiefe Besorgnis nach der Untersuchung des Recherche-Teams Reflekt, die umfangreiche Berichte über Machtmissbrauch, Belästigung, Diskriminierung und systemisches Versagen in schweizerischen akademischen Institutionen ans Licht gebracht hat. Diese Zeugnisse legen nicht isolierte Vorfälle offen, sondern tief verwurzelte strukturelle Probleme – geprägt von steilen Hierarchien, Abhängigkeiten und fehlender effektiver Rechenschaftspflicht –, die es ermöglichen, dass Fehlverhalten ungehindert anhält.
Das gemeldete Fehlverhalten umfasst sexuelle Belästigung und geschlechtsbasierte Gewalt, verbale und psychische Misshandlungen, rassistische, fremdenfeindliche und ableistische Äusserungen sowie den Missbrauch hierarchischer und finanzieller Macht. Solche Verhaltensweisen untergraben die akademische Integrität, schädigen die psychische Gesundheit und vertreiben Wissenschaftler:innen aus der Akademie.
Die SGR fordert alle schweizerischen akademischen Institutionen auf, anzuerkennen, dass Machtmissbrauch keine Reihe von „individuellen Fehltritten“ darstellt, sondern ein systemisches und kulturelles Problem. Universitäten müssen sicherstellen, dass akademische Freiheit niemals als Ausrede für Fehlverhalten dienen kann und dass Meldemechanismen sowie Schutzmassnahmen unabhängig, zugänglich und vertrauenswürdig sind.
