Berufliche Perspektiven

Wo kann es nach einem Religionswissenschaftsstudium beruflich hin gehen?

Das Studium der Religionswissenschaft qualifiziert zur Arbeit in NGOs, Stiftungen und Kultureinrichtungen, zu Medienarbeit, im Verlagswesen, bei Behörden, im Diversity Management oder in der Integrationsarbeit; aber auch zu Erwachsenenbildung, zu einer Zusatzqualifizierung als Religionslehrer*in oder zu einer universitären Laufbahn und anderem mehr.

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Kunstvermittlung im Museum: Karolina Lisowski

Karolina Lisowski hat Religionswissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Bern studiert. Heute arbeitet sie als Projektmitarbeiterin in der Kunstvermittlung im Museum Rietberg in Zürich, einem der grössten Kunstmuseen der Schweiz.

"Zwischen meinen wissenschaftlichen Interessen und meiner aktuellen Berufstätigkeit gibt es eine klare Kontinuität..."

Warum Religionswissenschaft?

«Die Religionswissenschaft habe ich im Gymnasium entdeckt. Ich konnte Religionswissenschaft als Ergänzungsfach wählen und hatte zwei Dozierenden die über Religion offen und kritisch gedacht und gesprochen haben. Mich haben aber auch die romantischen und mystischen Seiten von Religion gefesselt. Diese Aspekte verband ich damals insbesondere mit dem Buddhismus und den Traditionen Indiens – heute würde ich das anders betrachten. Der Buddhismus-Schwerpunkt des Instituts für Religionswissenschaft in Bern ist der Hauptgrund, warum ich diesen Standort gewählt habe. Dazu war die Möglichkeit, eine “ganz fremde” Sprache wie das Tibetische lernen zu dürfen, absolut faszinierend. Auch für Kunst habe ich mich sehr interessiert und habe deswegen Kunstgeschichte als Nebenfach studiert.

Deine Schwerpunkte?

In meinem Studium der Religionswissenschaft hatte ich die Gelegenheit, verschiedene Themen zu vertiefen und zu lernen, wie man komplexe Zusammenhänge erforschen und verstehen kann. Zudem war die fast persönliche Betreuung in einem kleinen Institut ein grosser Mehrwert. Inhaltlich ist für mich die Begegnung mit der Religionsästhetik sehr prägnant gewesen. Diese Perspektive interessiert sich für die sinnliche Wahrnehmung der materiellen Dimensionen von Religion, es sei Bilder, Skulpturen oder Gebäude. Einige analytische Instrumente der Kunstgeschichte konnte ich auch mit diesem Ansatz verbinden, u.a. im Rahmen einer Dissertation, an der ich zur Zeit neben meinen beruflichen Tätigkeiten arbeite. In meinem Forschungsprojekt beschäftige ich mich mit buddhistischen Objekten und Kunstwerken in verschiedenen Museen der Schweiz.

Was machst du in deinem Beruf?

Zwischen meinen wissenschaftlichen Interessen und meiner aktuellen Berufstätigkeit gibt es eine klare Kontinuität. Ich war zuerst Assistentin an der Uni Bern und seit einem Jahr arbeite ich am Museum Rietberg in Zürich, das sich der traditionellen und zeitgenössischen Kulturen Asiens, Afrikas, Amerikas und Ozeaniens widmet. Dort bin ich Mitarbeiterin im Projekt “Kunst sehen, Religion verstehen” in der Abteilung für Kunstvermittlung. Meine Aufgaben betreffen die Konzeption und Durchführung von Workshops und anderen Aktivitäten, die die Ausstellungen einem bestimmten Publikum näherbringen sollen, z.B. Schulklassen. Im Moment arbeiten meine Kolleg*innen und ich an einer interaktiven online Einführung in den Buddhismus entlang der Kunstwerke des Museums. In diesem Zusammenhang spielen meine religionswissenschaftlichen Kompetenzen eine wichtige Rolle, weil die Texte, die wir im Netz mit dem Siegel “Museum Rietberg” veröffentlichen werden, klar und zugänglich aber auch wissenschaftlich einwandfrei sein müssen. Wenn man z.B. etwas zum gegenwärtigen Bild der Frau im Buddhismus schreibt, braucht man die Fähigkeit kritisch über den Austausch feministischer Ideen zwischen West und Ost zu reflektieren.

Was brachte das Studium für deinen Beruf?

Ich freue mich über diese Stelle und ich habe sie wenige Monate nach dem Ende meiner Anstellung als Assistentin an der Uni Bern gefunden. Dies war aber nicht mein erster Job in einem Museum. Da ich als Assistentin eine Teilstelle hatte, habe ich jahrelang parallel im Tibet Museum Fodation Alain Bordier in Gruyères gearbeitet. Mit der Zeit ist dieses Museum auch ein Forschungsobjekt für mich geworden, indem ich studiert habe, wie die Besucher*innen den Raum und die Objekte wahrnehmen. Dieselben Fragen stelle ich mir jetzt auch in Bezug auf das Museum Rietberg. Meiner Kolleg*innen im Museum interessieren sich auch für meine Forschung, weil sie zu wertvollen Einsichten für die Ausstellungspraxis führen kann. »

Karolina Lisowski im Gespräch mit Andrea Rota (Januar 2020)